Gefechtsbereitschaft

Das Kommando dröhnte durch das gesamte Haus wie ein Donnerschlag, nachdem der Blitz direkt nebenan eingeschlagen hatte. „Kompanie antreten!“ 
 In den vielen Stufen des Kompaniegebäudes wurde aufgesprungen, die Kleidung sortiert und angezogen. Aus den Duschen stürmten sie nackt über den Flur, noch nass sprangen sie in die Unterwäsche, die kurzen Haare waren schnell getrocknet. Zweihundert Beinpaare stürmten die Flure entlang, die schweren Stiefel stampften und das Haus bebte darunter. Nebenher wurde noch das Barett aufgesetzt. Im Treppenhaus und an der Ausgangstür wurde es eng, die zweiflügelige Tür war jedoch auf diesen Ansturm vorbereitet und auch so ausgelegt, dass schnell der zweite Flügel aufrissen werden konnte. 
 Draußen vor dem Gebäude schien die Sonne von einem blauen Himmel, aber niemand interessierte sich dafür. Jeder lief an seinen für ihn bestimmten Platz. Schaute an sich noch einmal hinab. Die schwarzen Stiefel glänzten in der Sonne, die Hose war ordnungsgemäß verschlossen, das Hemd vorschriftsmäßig geknöpft. Noch einmal das Barett gerichtet, da es sich durch das Laufen verschoben hatte. Wer es in der Eile im Zimmer nicht schaffte die Kleinigkeiten in Ordnung zu bringen, hatte jetzt noch einmal die Gelegenheit. 
 Dann begann das Ausrichten. Zuerst nach hinten dem Dienstgrad entsprechend. Hinter stand der Soldat, dann die Gefreiten, die Obergefreiten, die Hauptgefreiten, die Stabsgefreiten Vorne. Anschließend der Blick nach rechts, die Fingerkuppe des Mittelfingers der rechten Hand auf den Beginn der Schulterklappe des rechten Kameraden, so stimmte der Abstand. 
 Die Unteroffiziere standen links von den Mannschaften. Auf hier das gleiche Bild, die Hauptfeldwebel ganz vorne und die Unteroffiziere am Ende der Reihe. Rechts von den Mannschaften bauten sich die Offiziere auf. Da diese nur eine kleine Gruppe bildeten standen sie nebeneinander. Begonnen beim Leutnant bis zum Hauptmann. Dann ertönte der Befehl „Stillgestanden!“ Alle zogen die Haken zusammen, der Blick ging streng geradeaus, die Hände wurden zu einer leichten Faust geballt und an den Körper, in Höhe der Hälfte der Oberschenkel, gedrückt.  
 Als das U-förmige Gebilde stand, trat der Kompaniechef, ein Major, aus dem Haus. Der Dienstälteste Hauptmann, inspizierte die Mannschaft, trat vor den Hauptmann, salutierte und meldete das vollzählige Erscheinen der Truppe.  
 „Soldaten“, begann der Major mit lauter, fester Stimme. „Soeben wurde Gefechtsbereitschaft ausgerufen. Das bedeutet, keiner verlässt bis auf weiteres das Haus. Wir warten bis unser Einsatzbefehl eintrifft und werden uns dann unverzüglich zu diesem Standort aufmachen.“ Er erklärte noch, dass sich die gesamte Kompanie kampfbereit machen solle. 
 „Dann brauche ich noch einen mutigen Freiwilligen für eine außerordentlich gefährliche Aufgabe. Wer diese erfüllt, bekommt, nachdem der Alarm beendet ist, einen Tag Sonderurlaub.“ Der Major schaute in die Runde, doch niemand meldete sich. So befahl er, dass die Kompanie im ‚Stillgestanden‘ bleibt, bis er wieder komme. Er drehte sich zackig um und verschwand im Gebäude. Nach fünf Minuten war er zurück. Einige der Soldaten hatten bereits heimlich den Stand gelockert, da es in der Sonne angespannt zu stehen auf Dauer ein wenig unangenehm war. Sofort gingen diese wieder in die vorgeschriebene Position. Der Major trug einen Stahlhelm in den Händen. Sein Befehl lautete, dass jeder, in der Reihenfolge der Dienstgrade, vortreten solle und einen der im Stahlhelm liegenden Zettel ziehen sollte. Derjenige der auf seinem Zettel ein X findet ist der Freiwillige für diese Mission. 
 Langsam zogen erst die Offiziere, dann die Unteroffiziere und dann die Mannschaften, mit zitternden Händen, die Zettel heraus, bis ein Unteroffizier das X auf seinem Zettel hatte. „Melden Sie sich in meinem Büro“, befahl der Major und entließ die anderen auf ihre Stuben. 
 Mit schlürfendem Schritt und geknickten Kopf schlich der Unteroffizier zum Büro des Majors, klopfte und wartete auf sein „Herein!“ Er öffnete die Tür, schloss sie hinter sich, salutierte und meldete sich vorschriftsmäßig. 
 „Stehen Sie locker“, befahl der Major. Trat vor seinen Schreibtisch und baute sich vor dem Unteroffizier auf. „Es ist eine geheime Aufgabe, die ich Ihnen anvertraue“, begann er. Der Unteroffizier schluckte ängstlich, bekam aber keine Spucke zusammen. Der Major überreichte ihm ein Schreiben und klärte den Unteroffizier über seine Aufgabe auf. 
 „Mit diesem Sonderschreiben dürfen Sie die Kaserne verlassen. Nehmen Sie sich ein Fahrzeug und fahren Sie zu mir nach Hause. Dort erklären Sie meiner Frau was passiert ist und weshalb ich heute, an unserem Hochzeitstag, nicht nach Hause komme. Viel Glück!“
 
 

Gicht

Eigentlich war der heiße Sommer schuld, dass es soweit kam. Die wärmsten Wochen des Jahres lockten mich zu einem kühlen Bier am Abend. Der Wein blieb im Keller und die Bierkisten wurden immer mehr. Obwohl ich für reißenden Absatz sorgte, die Quelle trocknete nicht aus. 
 Dazu hatte ich für die warmen Tage den Kühlschrank mit Landjägern gefüllt. Diese geräucherten Würste aus fettem Schweinebauch und durchwachsenem Rindfleisch mit ihrem hohen Anteil an Purin halten sich bei Wärme einfach am besten. 
 So gab es abends mindestens ein Paar dieser Rohwürste. Beim Fernsehen wurde auf die Chips verzichtet, machen dick und der Versuch des Abnehmens kann nicht falsch sein. Selbst wenn nur ein Kilogramm dabei weniger ist. Nach meiner Waage kann ich nicht mehr zunehmen. Die Skala endet bei 120 Kilogramm. Durch meine große erogene Nutzfläche bin ich ein ausgesprochen beliebter Typ beim weiblichen Geschlecht. Schließlich ist es der holden Weiblichkeit wichtiger, dass ein Mann Humor hat als sein Aussehen. So sagt es jedenfalls eine Statistik. 
 Was Mann sich nicht vorstellen kann. In meiner Vorstellung kommt ein Frankensteingesicht mit über zwei Metern Höhe und Buckel in eine Bar, erzählt ein paar Witze und hat die Mädels im Arm. 
 Zurück zu meinem abendlichen Appetit. Also, anstatt der Chips gab es ebenfalls Landjäger und ein Bier, Minimum. 
 Eines Morgens, ich lag noch friedlich im Schlummer, weckte mich ein starker Schmerz im rechten großen Zeh. Jede Berührung war wie ein Durchschuss. Es brannte, es schmerzte und wurde immer barbarischer. Das Gefühl im Zeh war nur noch Schmerz, der sekündlich immer stärker wurde. Aufstehen ging noch relativ einfach, doch kaum hatte der Fuß den Boden nur im Hühnerauge, schoss die Pein in den Zeh. An ein normales Laufen war nicht zu denken. 
 Ich fand einen alten Wanderstock, den mein Großvater bei seinen Ausflügen auf die Höhen der Schwäbischen Alb, verwendet hatte. An ihm kämpfte ich mich bis zu meinem Hausarzt. 
 Mit größter Mühe hatte ich mir die Socken und Schuhe angezogen. Mein Arzt schüttelte den Kopf. Noch nie hatte er jemand gesehen, der sich bei solchen Schmerzen Socken und Schuhe anzog. Aber meine Mutter hatte immer gesagt: „Wenn du zum Arzt gehst, zieh dich ordentlich an. Schließlich muss er dich berühren und das kann er nur, wenn du sauber bist.“
 Der Doktor blickte auf meinen großen Zeh. Und dann, tatsächlich, er berührte ihn. Die Decke des Zimmers war, Gott sei Dank, höher als ein normales Wohnzimmer. „Tja, das ist wohl ein Gichtanfall“, erklärte er mir. 
 Bin ich schon so alt? In meiner Erinnerung hatten nur die ganz alten Menschen Gicht. Doch nicht Leute in meinem Alter. Zuerst verschrieb er mir ein Mittel gegen die Schmerzen, dann klärte er mich über meinen Lebenswandel auf. 
 Gerade Bier und die Schweinswürste verstärken die Harnsäure und damit ihre Wirkung. Der Körper kann nicht mehr so viel abbauen und lagert die Kristalle in meinen großen Zeh ein. „Also kein Bier oder Schweinefleisch in den nächsten Wochen.“
 Dann betrachtete er meine Stauungen am mittleren Ring, klopfte freundschaftlich auf den Bauchnabel und meinte: „Da muss was weg.“
 Seit ich 28 Jahre bin, habe ich Angst vor diesem Satz. Nun ist er gefallen. In meinem Gehirn machte sich Panik breit. Wie oft habe ich schon versucht, dagegen anzukämpfen. Ich war bei Ernährungsberatern, in Kliniken und bei den anonymen Essern. Nichts hat geholfen. Der Bauch blieb, wurde aber auch nicht größer. 
 „Sie müssen den Gürtel enger schnallen“, sagte mein Arzt. Das beruhigte mich dann wieder und brachte mich in meine glückliche Welt zurück. Ich trage immer Hosenträger.  

Enkeltrick

 

In der Zeitung kann man immer wieder lesen, dass ältere Menschen auf den sogenannten Enkeltrick hereinfallen. Mit dieser genialen Erfindung moderner Gauner werden unsere lieben Rentner regelmäßig um ihre Ersparnisse gebracht. 

Da klingelt das Telefon, und eine weinerliche Stimme schluchzt: „Oma, ich bin's, dein Kevin! Ich stecke in der Klemme!” 

Und schon wandert das mühsam Ersparte vom Sparstrumpf direkt in die Taschen dubioser Gestalten. 

Bankangestellte sind mittlerweile wie Spürhunde darauf trainiert, verdächtige Geldabhebungen zu wittern. Sie fragen beispielsweise: „Frau Müller, wollen Sie wirklich 15.000 Euro für Ihren angeblich verhafteten Enkel abheben?” Viele Senioren haben ihr Vermögen lieber im bewährten Kopfkissen-Safe deponiert. Dort ist es zwar vor Zinssätzen geschützt, aber leider nicht vor Trickbetrügern am Telefon. 

Neulich lauschte ich im Café einem Gespräch zweier rüstiger Rentnerinnen. Sie schwärmten davon, wie wunderbar es sei, die Enkelkinder zu betreuen. 

„Da werden wir wieder jung!”, seufzte die eine verzückt. 

„Jung?“, dachte ich mir. Eher junggeblieben. 

Diese Großeltern verwandeln sich für ihre Enkel in wahre Athleten. Sie spielen Fußball mit Kniebandagen, Handball mit Ellenbogenschonern und sogar Rugby mit Vollkörperpanzerung. 

Das Geheimnis ihrer Leistungsfähigkeit? Eine Industriepackung Schmerzgel, die sie sich prophylaktisch einreiben, so wie es Ultramarathonläufer vor dem Start tun. 

„Enkelfit” ist das neue Doping für Senioren. 

Ohne diese „magischen” Salben würden sie die erste Runde „Verstecken spielen” nicht überleben. Denn eigentlich haben sie ja „Rücken”, das mysteriöse Leiden aller Über-60-Jährigen, „Knie”, ebenfalls sehr beliebt, oder sonstige „Auas” in diversen Körperregionen. Eine Art Enkeltrick sozusagen. Man gibt sich jünger, als man ist. 

Da ich weder Enkel noch nennenswerte Ersparnisse besitze und mein Schmuck aus einem Plastikring vom Überraschungsei besteht, kann mir auch nichts gestohlen werden. Deshalb habe ich einen revolutionären Plan entwickelt: den umgekehrten Enkeltrick! 

Die Strategie: Ich rufe bei einem jungen Pärchen an und gebe mich als ihr verschollener Großvater aus. Dann beginnt das große Jammern: „Hallo, mein liebes Enkelkind! Hier ist euer Opa Werner! Es ist schrecklich hier im Altenheim! Das Essen schmeckt wie Pappe mit einem Beigeschmack von abgestandenem Wasser. Die Zimmer sind so kalt, dass ich schon darüber nachdenke, im Kühlschrank zu schlafen, denn da ist es wärmer!” 

Als ob das nicht reicht, erzählt er weiter: „Die anderen Bewohner sind so verwirrt, dass sie vom Bad ins Zimmer nicht mehr zurückfinden, obwohl es nur durch eine Tür geht. Gestern hat Herr Schmidt eine Stunde lang versucht, seinen Kleiderschrank als Ausgang zu benutzen.“ 

Und zum Schluss die große Mitleidsnummer: „Und verlassen darf man das Haus schon gar nicht. Aus Angst, dass wir uns verlaufen und nie wieder zurückfinden. Als würden wir Alzheimer-Patienten plötzlich nach Tibet auswandern!” 

Dann der absolute Knackpunkt: Ich erzähle Ihnen, dass mein Konto gehackt wurde und das gesamte Geld weg ist. Natürlich hätten die freundlichen Pflegerinnen sofort die Polizei verständigt. Diese vermutet jedoch, dass das Geld irgendwo in den Weiten der Mongolei verschwunden ist. Vielleicht ist es nach Afghanistan geflüchtet oder friert sich in Sibirien den Hintern ab. Es gibt viele Varianten, dies glaubhaft darzustellen. Wenn die armen jungen Leute bereits gerührt sind, hole ich zum Finale aus: „Jedenfalls kann ich das Altenheim nicht mehr bezahlen. Wenn ihr mir nicht die Jahresmiete von 30.000 Euro überweist, muss ich bei euch einziehen!” 

Das Ganze kann ich noch dramatisieren, indem ich ihnen erkläre, dass ihr neues Haus behindertengerecht sein muss, damit ich mit dem Rollator durch die Türen komme. Ebenso muss die Dusche behindertengerecht sein, da ich nicht mehr in eine Badewanne steigen kann. Außerdem brauche ich Hilfe beim Anziehen. Natürlich brauche ich auch ein eigenes Zimmer. „Ihr habt bestimmt bereits ein Kinderzimmer eingeplant.“ 

Hinzu kommen die Fahrten zu den Ärzten, die ich nicht mehr selbst durchführen kann, sowie die Besorgungen für meine Medikamente in der Apotheke. Sie haben das Neubaugebiet nämlich fernab einer Einkaufsmöglichkeit gebaut.  

Sollte das ohne Erfolg bleiben, ziehe ich meinen nächsten Trumpf und erzähle Geschichten aus der Zeit nach dem Krieg, als wir arm waren und kaum etwas zu essen hatten außer Sauerkraut, das bis heute meine Lieblingsspeise ist. 

Die meisten jungen Leute überweisen tatsächlich lieber die 30.000 Euro, als sich vorzustellen, dass Opa Werner bei ihnen einzieht und ihre Netflix-Abende mit Gassenhauern aus den 50er Jahren untermalt. 

So funktioniert der umgekehrte Enkeltrick. Anstatt mit der Liebe der Enkel zu spielen, wird hier mit der Angst vor dem dauerhaften Besuch der Großeltern gespielt! 

Wichtiger Hinweis: Dieser Text ist rein theoretischer Natur und dient ausschließlich der Belustigung. Der Autor übernimmt keine Haftung für Versuche der praktischen Umsetzung und die daraus resultierenden Familiendramen. 

Sollte es dennoch jemand versuchen, bitte ich darum, mir 20 Prozent Tantiemen zu überweisen. 

Danke im Voraus.

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Haarig

Im Allgemeinen sagt man: Das Gesicht ist der Spiegel der Seele. Manche haben dann aber eine sehr nackte oder sehr haarige Seele. Das kommt ganz darauf an, ob das Gesicht mit Glatze oder Bart gesegnet ist. Eine Glatze ist sozusagen FKK auf höchster Ebene und zeigt den Träger auf seinem Haupt völlig nackt. Kommt das vom Denken? Wenn ich mir anschaue, wer alles Glatze trägt, bin ich mir nicht sicher. 

Bei manchen Glatzenträgern stelle ich mir die Frage: Hatten die das schon als Kind oder entwickelte sich die „Freikopfkultur” erst im Laufe des Lebens? Vielleicht haben sie beim Duschen auch den Schamhaarentferner mit dem Shampoo verwechselt. 

Es gibt Bilder von jungen Menschen, die bereits keine Haare auf dem Kopf haben. Auffällig ist jedoch, dass kleine Haarstoppel aus der Haut drücken. Warum diese Glatze? Im Winter wird es dort oben kalt. Gut, dann kann man immer noch die coolsten Mützen tragen und so einen Beitrag zum eigenen Stil leisten. Im Sommer hingegen rinnt der Schweiß ungehindert über das Gesicht. Er wird lediglich von den Augenbrauen gestoppt und umgelenkt. 

Die nächste Frage lautet: Wachsen Augenbrauen stärker, wenn sie befeuchtet werden? Bei einigen Menschen sind Augenbrauen nicht einfach nur ein paar Haare über den Augen. Bei manchen wirkt es, als hätten sie zwei Bobtails oberhalb der Augen festgeklebt. Es wirkt, als wären Tentakel aus dem Hirn herausgewachsen, um jeden anzugreifen, der nicht der gleichen Meinung ist. 

Beobachtungen an Frauen zeigen, dass man sich diese Haare auch mühelos selbst entfernen kann. Mit Wachs oder Pinzette. Sie leiden gerne unter Schmerzen, nur um angeblich den Männern besser zu gefallen. Die sind, wie immer, die Schuldigen.

Manche Damen tragen ihren Schnauzer auch gerne zur Schau. Ich denke dabei an eine Bekannte, die sich nicht anders zu helfen wusste, als einen Schnauzer wachsen zu lassen, da das Austupfen mit der Pinzette, das Rasieren und eine Behandlung mit heißem Wachs keinen Erfolg brachten. Also ließ sie ihn wachsen. Da sie eine blasse Hautfarbe hat und der Bart blond ist, fällt er beim ersten Hinsehen nicht auf. 

Eine interessante Kombination ist die Glatze-Bart-Kombination bei Männern. Ein Vollbart, in dem bestimmt Vögel brüten oder beim Auswringen das Essen vom Vortag zum nochmaligen Aufwärmen hervorkommt. Dafür oben absolut kahl. Das ist sehr nützlich bei Regen. Es tropft auf die Glatze, fließt dann seitlich ab und wird im Barthaar gespeichert wie in einer Zisterne. 

Vor kurzem hörte ich ein sehr interessantes Gespräch während einer Zugfahrt. Ein junger Mann mit Glatze saß auf der anderen Seite des Ganges. An einer Station stieg ein braunhaariger Lockenkopf ein und setzte sich genau gegenüber dem Glatzkopf. Der neue Fahrgast hatte in jeder Jackentasche eine Flasche Bier und dem Geruch und Zustand nach ebenso viele intus. Er betrachtete seinen Mitfahrer lange. 

„Du hast eine interessante Brille auf“, sagte der Braunhaarige, um eine Unterhaltung zu beginnen. Der Glatzkopf schaute ihn mit einer Mischung aus Mitleid und Überraschung an, sagte jedoch nichts, sondern wandte sich dem Fenster zu. 

„Jetzt sei doch nicht eingeschnappt. Ich wollte dir ein Kompliment machen“, lallte der Braunhaarige. Wieder warf der andere ihm einen Blick zu, dann schaute er wieder aus dem Fenster, als würde dort draußen gerade der Tatort laufen. 

Der neue Fahrgast konnte es nicht lassen und begann, mit provozierendem Unterton zu reden. „Sag mal, du hast ganz schön wenig Haare auf dem Kopf. Hat der liebe Gott kein Haar mehr für dich übriggelassen?“ 

Die Glatze drehte sich dem Mitfahrer zu. Er schaute ihn eindringlich an und sagte: „Doch, braune Locken. Aber die wollte ich nicht.“

Achtung Aufnahme

 

Routine ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist wie mit Bakterien. Es gibt gute, wie die Milchsäurebakterien, und schlechte, wie die Salmonellen. 

Viele erfolgreiche Menschen haben ihre immer gleichen Abläufe entwickelt. Manche stehen um vier Uhr morgens auf, joggen eine Stunde durch den Park, frühstücken und lesen die Tageszeitung. Für andere ist es wichtig, einmal im Jahr an einen bestimmten Ort zu fahren. Um sich zu erholen, sei es bei Wellness oder Aktivurlaub. 

Jeder hofft, auf diese Weise Erfolg zu haben. Als großer Geldverdiener oder als gesunder, normaler Mensch. Durch Gewohnheiten werden Mechanismen automatisiert, die dann leichter funktionieren, wie beispielsweise Nägel in die Wand schlagen oder Trompete spielen, wodurch wiederum mehr Spaß entsteht. So wird das Leben leichter. 

Damit diese Tätigkeiten leichter von der Hand gehen, brauchen wir Erfahrung und den Willen, sie durchzuführen. 

Wer kennt es nicht, das System, mit dem wir uns etwas vornehmen, etwa jeden Dienstag ins Handballtraining zu gehen? Einfach nur, um fit zu werden und die sozialen Kontakte zu pflegen. Die ersten vier Male gehen wir mit Begeisterung hin, denn alles ist neu und interessant. Doch bald schleicht sich eine gewisse Trägheit ein. Wir suchen nach Ausreden, warum wir diese Woche keine Zeit haben. 

Wenn man diese Zeit übersteht, fällt es leichter. Plötzlich beschließt man, die Arbeit so zu legen, dass am Dienstag eine Stunde früher frei ist. So stört im Winter die Dunkelheit am Abend nicht, um nochmals aus dem Haus zu gehen. Alternativ gehen wir direkt von der Arbeit ins Training. Es wird zur Gewohnheit und irgendwann denkt man nicht mehr darüber nach, ins Training zu gehen. Es ist Dienstag – Training. Plötzlich stellt sich ein Gefühl des Besserseins ein. Der Körper fühlt sich beim Training wohl und auch die Gedanken werden freier. So führt Routine zu Erfolg. 

Es ist wie beim Rauchen. Die erste Zigarette schmeckt furchtbar, jede weitere schmeckt besser und irgendwann ist man nikotinabhängig. Wenn man dann aufhören will, ist es der gleiche Mechanismus. Zunächst fällt es schwer, keine Zigarette mehr anzuzünden, doch je länger man durchhält, desto weniger vermisst man das Nikotin. 

Ungeliebte Tätigkeiten können durch Routine erträglicher werden. So trickst das Gehirn sich selbst aus. Bestimmte Beschäftigungen lösen eine Abfolge emotionaler Momente aus. Wenn man den Computer anmacht und zuschaut, wie er hochfährt, kommt die Routine ans Licht und die Arbeit macht weniger Stress. 

Je länger eine Gewohnheit besteht, desto weniger spürt man die Anstrengung. Dazu braucht es Geduld und Zeit. So kommt mehr Organisation in den Alltag. Ein schrittweises Herangehen ist dabei ein wichtiger Faktor. 

Doch der Routinier verfällt auch schnell in die Gefahr der Unaufmerksamkeit. So wie der Tontechniker in England, dessen Geschichte mir in die Hände fiel. Dieser sprang für einen erkrankten Kollegen ein. Er sollte ein Sinfonieorchester aufnehmen. Das hatte er schon hundert Mal gemacht. Also regelte er die Instrumente ein und setzte sich ans Mischpult im Studio. Der Tontechniker nahm sein Handy und schaute, was angezeigt wurde. Das Orchester begann zu spielen, aber zu leise. Der Techniker legte das Handy beiseite und regelte nach. Dann schnappte er sich das Handy und surfte weiter. Das Orchester wurde lauter, er regelte nach, nahm das Handy, surfte weiter, das Orchester wurde lauter, er regelte nach, nahm das Handy, surfte weiter, das Orchester wurde lauter, er regelte nach, nahm das Handy, surfte weiter. So ging es, bis das Stück zu Ende war. Der Tontechniker nahm den Stick und überbrachte ihn dem zuständigen Redakteur. Dieser hielt ein Stück Musikgeschichte in der Hand: Ravels „Bolero“. Ravels „Bolero“, aufgenommen mit stets gleicher Lautstärke. 

Was andere so schreiben


Fitness

Vor einigen Wochen bekam ich eine Frauenzeitschrift in die Hände. Die große Überschrift war: Die neuesten Abnehm-Tipps. Ein Blick in den Spiegel zeigte mir nicht, dass ich es nötig hätte. Klar, früher sah ich anders aus. Hatte nicht so viele Haare auf der Brust, einen Waschbrettbauch, war muskulös und durchtrainiert. Die Frauen drehten sich nach mir um und wussten nicht, ob es mein großartiges Profil war, das sie sahen oder nur mein Schlüsselbund. 
 In der Sauna war ich den neidischen Blicken der anderen Männer hilflos ausgeliefert. Ich spürte damals, so kann es nicht weitergehen. Also ließ ich mir den Sixpack mit Fremdfett wegspritzen. Selbst hatte ich kein Gramm am Körper. Die Muskeln ließ ich verkürzen und die Brust mit Haaren bepflanzen. Nun konnte ich endlich wieder in Ruhe auf die Straße oder in die Sauna. 
 Schön wäre das gewesen. Meinen Bauch habe ich mir mühsam mit täglich zwei Schnipo Schranke erbaut. 
 Die Haare auf der Brust wuchsen irgendwann von allein und je mehr ich rasierte, umso stärker wuchsen sie. Eine Penisverkleinerung kam auch nicht in Frage, der Arzt erklärte mir, dass er kein Mikro-Chirurg sei. 
 So stand ich vor dem Spiegel und überlegte, ob ich die gewünschten Träume, wie es früher gewesen sein sollte, in meiner Midlife-Crisis nicht doch zum Leben erwecken sollte. 
 Es begann mit einem Test, der aus vielen unsinnigen Fragen bestand. Die meisten konnte ich nicht mit reinem Gewissen beantworten. Wie sollte ich wissen, wie schwer ich bin, wenn die Waage bei 120 Kilo aufgibt? Woher sollte ich wissen, wie viele Kilometer ich täglich laufe, wenn ich nur am Schreibtisch saß? 
 So stand das Ergebnis von vornherein fest: Ich lebte falsch und müsste schon längst an allem möglichen gestorben sein. 
 Mein Body-Mass-Index war viel zu hoch und ich müsste mehr für meine Fitness tun. Doch gab es auch einen Hoffnungsschimmer, immerhin sollte ich nicht gleich einen Marathon laufen, sondern die Experten rieten dazu, langsam mit dem Training zu beginnen. 
 Am besten wäre es, mich zuerst von einem Arzt untersuchen zu lassen und auch das Fitnessprogramm nur unter ärztlicher Aufsicht zu absolvieren. 
 Es stellte sich heraus, dass mein Blutdruck zu hoch war, doch mit Sport kam er auch nicht runter, im Gegenteil. So begann ich Tabletten zu nehmen, die den Blutdruck senken sollten. Wenn ich dann voll im Saft stand, konnte ich diese wieder absetzen. 
 Die Zeitschrift riet mir dann, um morgens in die richtige Stimmung zu kommen, den Tag mit Gymnastik zu beginnen. Sei auch gut gegen beginnende Depressionen während der Abnehm-Phase. 
 Ich musste kurz lächeln. Warum sollte man Depressionen bekommen, wenn man wieder zum Adonis wird? 
 Doch beim Weiterlesen bekam ich sie doch. Dort war ein brutaler Essensplan aufgestellt, an den ich mich nun halten sollte. 
 Eigentlich durfte ich alles essen, aber nicht mehr als eine Handvoll und ausgeglichen zwischen Ballaststoffen, Gemüse, Obst und Getränk. Eine Handvoll Schnipo Schranke, wie sollte das funktionieren? 
 Mein innerer Schweinhund wurde bekämpft und am Abend stand mein Entschluss fest: Ab morgen werde ich mit diesem Programm beginnen. 
 Frisch ans Werk begann ich den nächsten Tag wie gefordert mit Streckübungen. Die Hände an die Decke, anschließend die Füße nach vorne. 
 Alles spannte, das Gefühl, meine Haut würde gleich reißen, wurde immer stärker. 
 Dann Punkt zwei: Beinkreisen, aber in welche Richtung und vor allem wo ohne sich die Zehen gegen irgendeine Kante zu stoßen? 
 Nächster Punkt, Armkreisen, dabei hätte ich beinahe meine original DDR-Deckenlampe heruntergeholt. Das Härteste stand dann noch an, 25 Kniebeugen und 20 Liegestützen. Tatsächlich, ich war sofort in bester Stimmung um ausgepumpt und erschöpft wieder ins Bett zu fallen. 

Kneipengespräch

Kneipen sind reine Lourdes-Grotten von wunderbaren Geschichten. Was gibt es schöneres als nach Feierabend an der Theke zu sitzen, den Tag noch einmal zu reflektieren, den Menschen hinter der Theke beim Zapfen zuzuschauen und die Kohlesäureblasen im Bier zu zählen. Es ist etwas Meditatives, etwas, was manche Menschen nicht verstehen, die sich lieber in ihrer Hölle ein Feuer in Form eines Fernsehers anzünden und sich dadurch berieseln lassen. Künstliche Welt für nicht leuchtende Spießer. 
 An der Theke hin und wieder ein paar Sätze mit dem Wirt oder ein kurzer knapper Flirt mit der Angestellten. Das hält beide Seiten bei bester Laune. Man kommt gerne her und fühlt sich wohl und sie freuen sich, wenn der Stammgast am Tresen sitzt oder steht. 
 Jeder Mensch braucht sein geregeltes Leben und ein Besuch beim Wirt seines Vertrauens gehört einfach dazu. 
 Die ganze Welt ist hier versammelt. An einem Tisch sitzen zwei Geschäftsleute, die bei einem Drink ein neues Geschäft einläuten. Wer hinterher der Gelackte ist, kommt erst später, vermutlich wieder an einem Tisch in einer Gaststätte, heraus. 
 Manchmal ist es ein gemeinsames Projekt, manchmal eine geplante Übernahme einer Firma, die wie ein Bankraub ins Detail geplant werden muss. Die beiden Kontrahenten sitzen sich mit freundlich lächelndem Gesicht gegenüber. Einer Schachpartie gleich zieht jeder seine Argumente, der andere pariert oder versucht, daraus Gewinn zu schlagen. Irgendwann fällt dann der König und das Geschäft ist unter Dach und Fach. 
 Ein Tisch weiter sitzt ein junger Mann mit einer jungen Frau. Sie spielt mehr die Unschuldige, dabei weiß sie genau ihre Reize einzusetzen oder auch zurückzuziehen. Es macht ihr Spaß, ihn zappeln zu sehen wie ein Käfer auf dem Rücken. Immer wieder dreht sie ihn um, lässt ihn ein wenig krabbeln, um ihn dann wieder auf den Rücken zu werfen und zuzusehen wie er hilflos darauf hofft, wieder auf die Beine zu gelangen. 
 Zum Schluss ist sie die Spinne, die entscheidet, ob das Männchen sie begatten darf oder ob er gleich gefressen wird. 
 Ein weiterer Tisch ist von zwei Damen belegt. Deutlich ist zu erkennen, dass sie die dreißig schon länger hinter sich gelassen haben. Bei ihnen ist das Thema Männer auf einem anderen Niveau. 
 Jede jammert, wie sehr ihr Mann doch den Haushalt vernachlässigt und sie deshalb keine Zeit hat den Nachmittagskrimi anzusehen. Schließlich kommt ihr Mann um siebzehn Uhr nach Hause und hat keine Lust, sich noch um den Haushalt zu kümmern. Für sie interessiert er sich auch nicht, da er immer sehr erschöpft scheint. Vielleicht hat er eine andere? Aber das ist sehr unwahrscheinlich so oft wie er Sex von ihr verlangt, und dabei ist es nicht mit ein wenig raus-rein getan, sondern er braucht auch noch Abwechslung dabei und denkt sich immer neue Ideen aus. 
 Soll er doch seine Energie in die Firma stecken, dann würde er mehr Geld bekommen und man könnte sich endlich eine Putzfrau leisten. 
 Am kleinen Tisch hinter dem Thekengast sitzen zwei junge Männer. Geschätzt Mitte zwanzig, eher jünger. Unbewusst schaltet das Gehirn die Ohren auf dieses Gespräch. 
 Der eine, nennen wir ihn Jan. „Du hast es gut, hast einen guten Job, eine Freundin, die dich liebt.“
 Der andere, nennen wir ihn Jens. „Ja, es ist schon schön. Aber es hat auch sein Gutes, Single zu sein. Manchmal ist es wirklich lästig, immer für noch jemand zu denken. Man kann nicht so befreit einfach mal wohin gehen. So ein Kneipenbesuch muss eine Woche vorher abgesprochen werden, vielleicht will sie ja an diesem Tag ins Kino. Dazu kommen diese furchtbaren Worte, die sie mir dauernd an den Kopf wirft.“
 Jan: „Ehrlich, ich dachte sie ist so anständig. Was sind das für Worte?“ 
 Jens: „Heiraten, Ehe, Eltern werden.“

 

Was andere darüber schreiben

https://www.susanne-edelmann.de/2026/01/tomatidin/
Tomatidin

Erstellt am 20.1.26. Kategorie: Buchrezensionen
 

Auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Oktober habe ich nicht nur Autorin Theresia Graw getroffen (siehe vorherige Rezension), sondern mit Elizabeth Horn auch eine weitere von mir sehr geschätzte Autorin. Wir hatten uns am Stand der Krimivereinigung Syndikat auf einen Kaffee verabredet. Dort stießen wir auch auf den Krimiautor Michael J. Scheidle, der sich uns spontan anschloss. Wir verbrachten zu dritt eine äußerst angenehme und unterhaltsame Stunde im Messetrubel. Später kontaktierte mich Scheidle und fragte an, ob ich nicht Lust hätte, seinen Debütkrimi „Tomatidin“ zu lesen und zu rezensieren. Der Klappentext klang vielversprechend, also sagte ich gerne zu. 

In der Geschichte geht es um den früheren Anwalt Otto Meisner, der sich im Ruhestand langweilt. Als Silke Sternheimer ihn bittet, herauszufinden, ob sie von ihrem Mann betrogen wird, nimmt er diesen Auftrag gerne an. Doch als er sich mit Torsten Sternheimer in dessen Büro trifft, bricht dieser plötzlich tot zusammen. Der herbeigerufene Notarzt hat Zweifel an einer natürlichen Todesursache, also werden Kommissarin Rita Schmölz und ihr tollpatschiger Assistent Jan Trupp hinzugerufen. 

Leider ist Trupp nicht nur tollpatschig, sondern dabei auch übereifrig und vorschnell, so dass er die Arbeit seiner Vorgesetzten eher behindert als unterstützt. Also beginnt Meisner, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Dabei drängen sich immer mehr Parallelen zu einem seiner früheren Fälle als Anwalt auf, bei dem Tomatidin, eine chemische Verbindung, eine wichtige Rolle spielte. 

Es handelt sich hier um einen soliden Krimi, der jedoch deutlich mehr Slapstick als Spannung zu bieten hat. Dafür sorgt in erster Linie Jan Trupp, der von einer unmöglichen Situation in die nächste schlittert und im wahren Leben als Kriminalpolizist längst suspendiert worden wäre. Leider etwas ausufernd fand ich die sehr ausführlichen Beschreibungen von Räumen und Landschaften. Es ist z.B. völlig unerheblich für die Geschichte, aus welchem Holz die Bürotür der Kommissarin ist und ob sie im oberen Drittel ein Sichtfenster hat oder nicht. Hier hätte man meines Erachtens deutlich straffen können. Schön fand ich hingegen die Ausflüge ins Privatleben der Kommissarin und des Ex-Anwalts. 

Was mich anfangs massiv gestört, später aber zunehmend amüsiert hat, waren die fantasievollen Farbnamen, die in der Geschichte vorkommen. Der Autor beschränkt sich nicht darauf, einer Person eine rote Hose und ein graues Oberteil zu verpassen, nein, die Farben müssen schon genauer definiert werden – leider aber mit Begriffen, unter denen ich mir oft nur wenig vorstellen konnte. Auswahl gefällig? Ambragrau, sultanrot, bengalblau, akaziengelb, basaltblau, efeugrün, patentgrün, lakritzschwarz, naphtolschwarz, verkehrsrot, glockenblumenblau, mayablau, titanweiß, albinoweiß … allein auf den ersten 36 Seiten kommen alle diese Begriffe vor und es geht das ganze Buch über im gleichen Stil weiter, was ich wie erwähnt zuerst nervig, dann aber eher lustig fand. 

Fazit: Schnell und leicht zu lesende amüsante Lektüre für zwischendurch. 

Leider ist der Krimi im Buchhandel nicht mehr überall erhältlich, bei unser Buchhandlung vor Ort (https://ap-buch.de/shop/item/9783957471291/tomatidin-von-michael-j-scheidle-kartoniertes-buch) kann man ihn aber noch bestellen. Wer sich mit dem durchaus amüsanten Schreibstil des Autors erst noch ein wenig vertraut machen möchte, dem empfehle ich einen Blick auf seinen Blog, wo er viele Alltagsbetrachtungen und Kurzgeschichten zum Besten gibt. 

[Als Werbung gekennzeichnet, da Rezensionsexemplar erhalten] 

Das Gerät

Oft finden Termine am Abend statt, wodurch sich eine Routine einschleicht. Unterwegs geht es ins Hotel, dann zum Essen, eine letzte Besprechung wie das Programm ablaufen soll dann die Veranstaltung und anschließend aufräumen und zurück ins Hotel. 
 An der Hotelbar noch einen Drink und auf das Zimmer. Die Erfahrung hat gezeigt, dass um diese Uhrzeit im Fernsehen entweder ein Krimi, ein Actionfilm oder eine Talkrunde läuft. So bleibt mir die Auswahl, gleich ins Bett und schlafen oder noch ein Buch oder Zeitschrift lesen. 
 Im Laufe der Zeit habe ich bei mir Unterschiede beobachtet. Unterwegs läuft ein oppositioneller Prozess ab. Das beginnt beim Frühstück. 
 Zu Hause: Keine Semmel nur eine Scheibe Brot belegt mit Margarine und Käse. Im Hotel wird die Semmel mit Butter, Honig oder Marmelade belegt. 
 Dazu im Hotel immer ein Glas Multivitaminsaft, etwas Gemüse. Im eigenen Heim würde ich nie auf die Idee kommen Gemüse oder Obst zum Frühstück zu verzehren. 
 Der gleiche konträre Ablauf am Abend. Nachdem Abendessen mit einer Tüte Chips vor dem Fernsehen ein interessantes Programm suchen. Meistens bleibe ich, zum Leidwesen meiner mich liebenden Ehefrau, auf einem Sportkanal hängen. 
 Um Streit zu vermeiden, schaue ich auch manchmal mit ihr zusammen einen Film auf DVD an. In unserem Wohnzimmer stapeln sich gekaufte DVDs, die wir noch nicht angeschaut haben. 
 Alle drei Monate kommt ein Brief der GEZ ins Haus. Es ist wieder soweit, ich muss für die öffentlich-rechtlichen Programme bezahlen. Diese Programme schaue ich nicht. Auch das Radio wird von mir weitgehend ignoriert. Im Auto höre ich meine Musik von CD oder Stick. In den eigenen vier Wänden ist es nicht anders. Nur bei langen Fahrten im Auto schalte ich den Verkehrsfunk an. Es freut einen jeden Autofahrer, wenn er im Radio seine Strecke nicht hört. 
 Nun soll ich also für diese wenigen Minuten der Freude am Fahren zahlen. Geradeso als würde ich ein ständiger Benutzer sein. Das wollte ich mir nicht gefallen lassen. Entschlossen, mich gegen alle Argumente zu wehren, betrat ich das Bürgerbüro. Die freundlichen, kompetenten Damen hinter den Schaltern sind für solche Petitionen zuständig. 
 „Schaut Ihre Frau Fernsehen?“ 
 „Nein, sie schaut ebenfalls nur DVDs.“
 „Hört Ihre Frau in der Küche Radio?“
 „Nein, sie arbeitet tagsüber und dort zahlt der Arbeitgeber.“
 „Was ist mit Ihrem Sohn?“
 „Der spielt entweder am Computer oder schaut bezahlte Kanäle.“
 „Aber Sie haben zu Hause einen Fernseher und Radio?“
 „Ja, aber die Geräte werden anders genutzt.“
 „Das macht nichts. Sie haben das Gerät dazu und könnten die öffentlich-rechtlichen Kanäle schauen und hören.“
 Frustriert verließ ich das Bürgerbüro. Keine Chance die Frau mit meinen Argumenten zu überzeugen. 
 Ich setzte mich in ein Café und wollte meinen Frust mit Koffein hinunterspülen. Nach den ersten Schlucken kam ein Bekannter vorbei. Er hat solche Probleme wohl nicht. Er ist fleischgewordener Misogynie. 
 Noch nie verheiratet, nicht mal eine Freundin und keine Kinder, auch keine unehelichen. 
 Als er meinen Blick sah, setzte er sich mit seinem Kaffee zu mir. In meiner Not schilderte ich ihm mein Dilemma. Zu meinem großen Erstaunen leerte er zügig seine Tasse und sprang auf.
 „Wo willst du denn so plötzlich hin?“, fragte ich ihn erstaunt. 
 „Ich muss auf das Bürgerbüro“, antwortete er mit einem hektischen Unterton.
 „Warum?“
 „Ich will Kindergeld beantragen.“
 „Du hast doch keine Kinder“, klärte ich ihn mit einem fragenden Unterton auf. 
 „Stimmt, das nicht. Aber ich habe das Gerät dazu!“

Edwin

Ähnlich wie Gaststätten sind auch Arztbesuche immer eine erfrischende Quelle, um das Leben in seiner ausgeprägtesten Form kennenzulernen. Vor allem das Wartezimmer gibt tiefe Einblicke in die Seele der Menschen und steigert die Fantasie in den Orbit, wenn die Betreffenden aufgerufen werden. 
 So auch bei einem Ehepaar, das kürzlich den Arzt besuchte. Die Frau, in den Vierzigern, breitschultrig und vollbusig, mit einem Wort voluminös, drückt die Tür zum Wartezimmer auf und schreitet herein. Durch den Raum erklingt ihre Schalmeistimme. „Guten Tag!“ Die anderen Patienten schauen von ihren Zeitungen, Handys oder Tagträumen auf und erwidern murmelnd den Gruß. 
 Hinter der Frau erscheint ein Mann, zehn Zentimeter kleiner als sie, dünn, graue Haare, schlürfender Gang. 
 „Edwin, zieh deine Jacke aus und hänge sie an die Garderobe!“, befahl die Frau. Edwin zieht seine Jacke aus und hängt sie an die Garderobe. 
 „Setz dich hier neben mich!“ Edwin nimmt den Stuhl neben ihr und setzt sich. Im Gegensatz zum Stuhl der Frau hat seine Sitzgelegenheit keine Armlehnen und so versucht der arme Kerl, es sich irgendwie gemütlich zu machen, während die Frau sich zwischen die Armlehnen quetschen muss und dann ihre Arme auf den Lehnen niederlässt. 
 „Ach Edwin, jetzt habe ich mich gerade hingesetzt, nimm dir doch eine Zeitschrift und lies.“ Der Tisch mit den Zeitschriften ist in der Mitte des Raumes und Edwin steht auf, fällt ihm auch leichter, schlürft an den Tisch und nimmt sich ein Magazin. „Hedwig, möchtest du auch was lesen?“, fragt er mit zarter Stimme. 
 „Nein, da steht eh nichts gescheites drin“, kommt die Antwort mit harter Stimme.
 Edwin nimmt sich einen ‚Focus‘ und will zurück zu seinem Platz, als die Frau aufschreit. 
 „Edwin, du bist doch ein Mann, lies eine Sportzeitung!“ 
 „Aber Fußball interessiert mich nicht.“ 
 „Ach was! Jeder Mann interessiert sich für Fußball, nimm die Sportzeitung.“
 Edwin nimmt die Sportzeitung und schlürft wieder auf seinen Stuhl zurück. Er schlägt die Zeitschrift auf und beginnt zu lesen. Vielleicht tut er nur so, weil er sich für Fußball nicht interessiert und nur seine Frau ruhigstellen möchte. Es gelingt ihm jedoch nicht. 
 „Was steht denn drin?“, will sie jetzt wissen. Er liest ihr das Inhaltsverzeichnis vor. 
 „Am besten du liest den Bericht über Schalke 04. Über Bayern München kommt täglich was in der Zeitung“, stellt sie klar.
 Lustlos blättert der Mann in der Zeitschrift, bis er einen Bericht hat und zu lesen beginnt. „Edwin, das ist doch ein Bericht über den HSV“, kommt der entsetzte Ausruf. „Du wolltest doch den Artikel über Schalke lesen.“ 
 In der Sprechanlage im Wartezimmer erschallt der Aufmerksamkeitston. Ich werde ins Sprechzimmer gebeten. Gerne hätte ich noch weiter dem Paar gelauscht. 
 In meiner Vorstellung werden die beiden aufgerufen. Hedwig befiehlt Edwin, die Zeitung wieder auf den Platz zu legen und den Tisch mit den Zeitschriften ordentlich aufzuräumen. Dann gehen sie ins Sprechzimmer. Die Ärztin erschein und Hedwig schildert das Leiden. 
 „Es geht um die Schmerzen im rechten großen Zeh. Vermutlich ist es nur ein eingewachsener Zehnagel, aber äußerst schmerzhaft. Der kann gleich herausoperiert werden. Dazu ist keine Betäubung notwendig, für die paar Minuten muss man eben die Zähne zusammenbeißen.“
 Die Ärztin möchte sich erst ein Bild der Situation machen und bittet die Frau: „Gnädige Frau, das ist sehr mutig, aber könnte ich den Zeh vorher noch sehen?“
 „Gerne, selbstverständlich!“ Sie blickt ihren Mann streng an und fordert ihn auf: „Edwin zieh mal den Schuh und Strumpf am rechten Fuß aus!“

 

Der Tod

 

Es ist schon ein Elend. Wir können dieses Leben nicht überleben. Es ist vorherbestimmt, warum weiß niemand, und wir wollen jetzt nicht anfangen, über die verschiedenen religiösen, verschwörungstheoretischen oder esoterischen Ansätze zu philosophieren. 

Wer tot ist, ist erst einmal nicht mehr am Leben. Das ist für die Hinterbliebenen zunächst ein schwerer Schock. Vor allem, wenn er plötzlich und unerwartet kommt. Dann kommen den Trauernden in ihrer Trauer die absurdesten Gedanken. Plötzlich wird dem Verstorbenen eine Vorliebe zugeschrieben, die er zu Lebzeiten nicht einmal annähernd in Betracht gezogen hätte. Nicht die vielen Frauen, die Mann gehabt haben soll, sondern die Musik, die bei der Beerdigung gespielt wird. 

Als sich ein Bekannter vor einigen Jahren in den Steinbruch stürzte, um dem Ehegefängnis zu entkommen, ließ seine Witwe „Freiheit“ spielen, weil er Marius Müller-Westernhagen so mochte. Oder das Foto neben dem Sarg. Da sollte man schon zu Lebzeiten einen guten Portraitfotografen engagieren, bevor ein Bild aus dem letzten Urlaub, im Bikini am Strand, dafür herhalten muss. 

Die treuherzigen Sprüche, mit denen der Verstorbene bedacht wird. „In Liebe, deine Nachbarn“, las ich neulich auf einem Blumengesteck. Die ganze Stadt wusste, dass er sich mit ihnen wegen jeder Kleinigkeit gestritten hatte und sie nur noch über den Anwalt sprachen. Mit diesem Wissen bekommt so eine bedruckte Schleife natürlich eine ganz neue Bedeutung. „Jetzt kommst du zum höchsten Richter“ wäre wohl passender gewesen. Aber das traut sich ja keiner. 

Als ich mit meiner alten Tante am offenen Sarg der Schwiegertochter der Nachbarn stand, heulte die gute Frau, als wäre ihr Lieblingskater in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Dabei hatte sie nur beobachtet, wie die Frau mit dem Auto vorfuhr und zu ihren Schwiegereltern ins Haus ging. „Warum ausgerechnet sie?“, trauerte die Tante um die junge Frau. Da entfuhr es mir: „Warum? Wäre es dir lieber, ich läge da drin?“ Seltsam, sofort stoppte der Tränenfluss und zwei Augen, die mich lebendig verbrennen wollten, blickten mich an. Als wir den Friedhof verließen, flüsterte mir meine Tante zu, dass sie das nur gesagt habe, um den Nachbarn zu zeigen, dass sie mit ihnen trauere. Eine Einladung zum Leichenschmaus bekamen wir trotzdem nicht. 

Nach dem Tod kommen die Legenden. Plötzlich war Mann jemand, der keine Gelegenheit ausließ. Das stimmt in meinem Fall, ich lasse wirklich kein Fettnäpfchen aus. Aber im Gegensatz zu prominenten Toten werde ich nicht tagelang in der Boulevardpresse betrauert. Mal als Held, mal als Verlierer, je nachdem, wer gerade Chef vom Dienst in der Redaktion ist. 

Versuchen Sie, Ihr Leben so zu gestalten, dass der Pfarrer bei seiner Predigt das meiste weglassen muss, weil er sonst mit seiner Rede die Miete der Leichenhalle überzieht. 

Ich erinnere mich an einen Werbespot, in dem ein junger Mann auf einer Bank vor einem historischen Gebäude sitzt. Arbeitern auf dem Dach rutscht eine Steinfigur aus der Hand und fällt auf ihn. Plötzlich sitzt Gevatter Tod neben dem jungen Mann auf der Bank und er lässt sein Leben noch einmal an sich vorbeiziehen. Es war ein wildes Leben und er hat viel erlebt. Als die schnell geschnittenen Szenen vorbei waren, saß der Mann immer noch auf der Bank, über ihm schwebte die Figur und neben ihm auf der Bank lag der Tod und schlief. So hat er sich dann weggeschlichen. Das war übrigens Werbung für ein Reisebüro. 

Also rechtzeitig Vorbereitungen treffen. Ich hoffe, dass ich mit diesem Text schon angefangen habe. 

Fremdschämen


Manchmal möchte ich es gerne wissen.
 Wie oft hat sich für mich schon jemand geschämt. Meine mich liebende Ehefrau beispielsweise, wenn ich gelangweilt beim Einkaufen die Länge der Messer an meinem Körper ausprobiere. Oder im Supermarkt zur Musik tanze. Wobei tanzen ein zu weit hergeholter Begriff ist. Ich versuche mehr, im Rhythmus des Liedes zu zucken, was wahrscheinlich aussieht als würde jemand auf dem elektrischen Stuhl mit einer daran angeschlossenen Autobatterie sitzen.
 Meine Freunde schämen sich bestimmt für mich, wenn ich wieder mal beim Bezahlen in der Kneipe die Bedienung damit verblüffe, dass ich das Trinkgeld nicht auf den nächsten vollen Eurowert aufrunde, sondern um 3,42 Euro. Meistens kann sie dann nicht rausgeben und verzichtet auf das ihr zustehende Trinkgeld. Oder ist das schon Geiz?
 Ebenso gibt es diese Situationen, in denen ich für andere in ein Loch im Boden sinken möchte. Die Verblüffung ist perfekt, wenn derjenige es nicht merkt. So erzählte mir vor kurzem eine Bekannte: „Wir waren ein paar Tage zur Erholung im Chiemgau. Wir sind dort mit dem Boot über den Bodensee gefahren.“
 Vor kurzem erlebte ich in einer Gemeinderatsitzung einen Kollegen. Dieser saß neben mir auf der Pressetribüne. Der Vortrag interessierte ihn nicht viel, weshalb er an seinem Smartphone begann, Nachrichten, Sprüche und was weiß ich anzuschauen. Dann passierte es. Laut sang ein Männerchor durch den Sitzungssaal: „Zieh dich aus, kleine Maus, dann machen wir holröduldö.“ Alle schauten zu uns hoch. Verzweifelt versuchte er, das Gerät abzuschalten, machte es in seiner Panik nur noch lauter. Irgendwann hatte er es unter Kontrolle und verließ mit hochrotem Kopf die Pressetribüne. 
 Selbst Psychologen können dieses Gefühl nicht richtig erforschen. Ich kann nicht für andere eifersüchtig sein oder schuldig, aber ich kann mich für andere schämen. 
 Neulich in der Sauna. Entspannt saß ich auf der oberen Reihe der Holzbänke, als eine Frau die Kabine betrat. Sie besaß ein wunderbares Gesicht, zumindest bis zum Hals. Von dort an konnte sie es von der Statur mit jedem japanischen Sumoringer aufnehmen. Die Frau tat mir leid. Diese extreme Unförmigkeit verleitete jeden dazu, sie anzustarren. Ich kämpfte mit mir und gewann. Mein Blick ging geradewegs zu meinen Füßen und nicht mehr davon weg. 
 Plötzlich wurde mit der Gewalt des Steinbeißers aus der unendlichen Geschichte die Tür aufgerissen. Ein Mann betrat mit festen Schritten die Kabine. Kletterte mit hartem Tritt, sodass die Anwesenden um die Haltbarkeit der Holzbänke Angst bekamen, auf die oberste Stufe, breitete sein Handtuch aus und setzte sich. 
 Der Blick ging zuerst zu mir. Mit einem festen, musterten Blick sah er zu mir. Allein durch diesen Blick öffneten sich meine Poren noch stärken und der Schweiß ran wie aus einem schmelzenden Gletscher an mir herunter. 
 Dann galt sein Blick der Frau. Das Entsetzen über das was er sah stand ihm im Gesicht. Alles blieb ruhig, die Frau schaute wie schon davor auf den Saunaofen, als würde sie ihn mit Blicken ausschalten können. Irgendwann spürte sie, wie der Besucher sie anstarrte. Erst versuchte sie noch, es u ignorieren, schaute wieder auf den Ofen. 
 Der Mann konnte seine Augen nicht von der Frau lassen. Nach wenigen Minuten fragte sie gereizt: „Was gibt’s?“
 Der Mann sah aus als würde er aus einem Traum geholt. „Sie haben einen kleinen Busen“, stammelte er wie ein ertappter Dieb. 
 „Ja, leider“, antwortete die Frau mit einer traurigen Stimme. „Ich habe schon überlegt, etwas dagegen zu tun.“ Dabei strich sie von oben über ihre Brustwarzen. 
 „Reiben Sie doch mit Klopapier zwischen ihren Brüsten“, empfahl der Mann.
 Die Frau schaute sehr überrascht. „Das soll wirken?“ 
 Er zuckte mit den Achseln und antwortete: „Beim Hintern hat’s doch auch funktioniert.“
 Peinlich berührt ging ich aus der Kabine unter die kalte Dusche.  

Der Orden

Eigentlich wollte mir der Bundespräsident einen Orden verleihen, aber ich hab abgelehnt, denn ich musste ihn ja am nächsten Tag zurück geben, schließlich war er ja nur verliehen.

Was andere über das  Buch schreiben

 

"Tomatidin" von Michael J. Scheidle, ein tolles Krimi-Debüt mit humorvollen Einlagen! 

Wer hatte Torsten Sternheimer auf dem Gewissen? 

Dieses Buch erschien 2022 im Einhorn Verlag und beinhaltet 177 Seiten. 

Otto Meisner wollte eigentlich nur herausfinden, ob Silke Sternheimer von ihrem Mann betrogen wird. Doch dann bricht dieser tot zusammen und der ehemalige Rechtsanwalt findet sich mitten in einem Mordfall wieder. Kommissarin Rita Schmölz versucht zu verstehen, was passiert ist. Meisner dagegen ermittelt auf eigene Faust. Er wird schon bald mit seiner Vergangenheit konfrontiert und verstrickt sich immer tiefer in einem Wirrwarr aus Geheimnissen, Gefühlen und Gefahr. 
 Dies ist das Krimi-Debüt von Michael J. Scheidle. 

Das Cover und der Titel machten mich sehr neugierig auf den Inhalt. Was ist Tomatidin? Ehrlich, vorher hab ich dieses Gift noch nie gehört. 
 Der ehemalige Rechtsanwalt Otto Meisner ist schon längst im Ruhestand. Silke Sternheimer beauftragt ihn, ihren Mann zu beobachten, ob er sie eventuell betrügt. Doch als er ihn besucht, bricht Silkes Mann zusammen und ist sofort tot. 
 Ich mag den Schreibstil des Autoren Michael J. Scheidle, der diesen Regionalkrimi mit ein wenig Humor spickte. Besonders Jan Trupp hat mich oft zum Lachen gebracht. Otto Meisner ist ein Eigenbrötler, der aber besser Zusammenhänge miteinander verknüpfen kann als die Kommissarin Rita Schmölz und Jan Trupp. Daher macht er fast die ganze Arbeit. 
 Der Krimi ist spannend und aufregend und ich konnte ihn nicht mehr aus den Händen legen. Die Gegend wurde auch gut beschrieben. Es gibt hier 25 kurze und knackige Kapitel, die immer mehr zum Weiterlesen anregen. Immer wieder hat der Autor falsche Fährten ausgelegt, sodass ich bis zum Ende keine Ahnung hatte, wer der Täter war und dann doch ziemlich verblüfft da saß. Interessant, mit welchen Mitteln man morden kann… 
 Ich hatte amüsante und spannende Lesestunden. Dies war das Debüt des Autoren und ich hoffe, dass es nicht der letzte Krimi war! Mich hat der Autor Michael J. Scheidle begeistert und ich freue mich auf mehr von ihm… 
https://www.lovelybooks.de/autor/Michael-J.-Scheidle/Tomatidin-4619309434-w/

Die Filzlaus

Wie nennt man das Geschlechtsteil einer männlichen Filzlaus?

Eigentlich sollte an dieser Stelle eine witzige Antwort kommen. Doch frage ich mich, ob ich diese überhaupt schreiben darf. Die feministische Partei „Die Frauen“ werden bestimmt auf die Barrikaden gehen. Schließlich wird nur die männliche Filzlaus erwähnt, die weibliche wird männlich brutal unterschlagen. Aber bei einer weiblichen Filzlaus funktioniert es nicht. Bei einer diversen Filzlaus wird es kompliziert.

Vor einigen Tagen betrat ich die kostenpflichtige Toilette einer Autobahn-Raststätte. Ein Mann mittleren Alters saß mit heruntergelassenen Hosen auf dem Urinal und pinkelte. Als er mich sah, zuckte er mit den Schultern und meinte nur: „Was 30 Jahre Ehe aus einem machen!“ 
 Nach dem ich mich von stehenden Fußes von meiner angestauten Flüssigkeit befreit hatte und weiterfuhr, viel mir ein Besuch bei Freunden meiner Frau ein. Hier betrat ich aus dem gleichen Grund das Badezimmer. Alles war klinisch rein und ich fragte mich, ob dieses Bad überhaupt mal benutzt wurde. An dem Toilettendeckel war mit großen deutlichen Buchstaben „Immer hinsetzen“ als Hinweis angebracht. Brav kam ich der Aufforderung nach. Anschließend schaute ich mich im Bad um. Mir fiel auf, dass nur Döschen und Fläschchen der Frau im Bad offen dastanden. Immer mit dem Etikett nach vorne. Kein Rasierzeug, oder Männerdeo, geschweige denn eine Männerduschlotion. Benutzte er das Gleiche wie sie? Der Mann wirkte auf mich immer adrett, glattrasiert. Ganz makellos, wie das Bad. Das Gefühl als lebte hier kein Mann in der Wohnung beschlich mich. Aber ich hatte erst vor meinem Gang mit ihm angestoßen. Jetzt viel mir auf, er trank „Hugo.“ Das Paar hatte keine Kinder, worauf ich auf eine Scheinehe schloss. 
 Es leben auch hier Diverse Personen, man merkt es nur nicht. Eine Frau gefangen im Körper eines Mannes, verheiratet mit einem Hygienemittel im Körper einer Frau. Auch ich habe immer wieder den Eindruck im falschen Körper zu sein. Ein kleiner Junge gefangen im Körper eines erwachsenen Mannes. Wenn mein Chef wieder mal tobt, kommen unbewusste Erinnerungen an die Schulzeit auf. Lehrer und Eltern trugen ihren strengen Teil dazu bei. Wenigstens darf ich noch auf der Toilette stehen.

Übrigens das Geschlechtsteil nennt sich Filzstift. 

Das Modell

Sie wollte schon immer Model werden. Schon als Kind erklärte Sabine ihrer Lehrerin, dass sie entweder Model werden wolle, wenn sie schön sei, oder Lehrerin, wenn sie hässlich sei. 

Als sich ihre Figur mit dreizehn Jahren in die richtige Richtung entwickelte, wusste sie, was sie werden wollte. Sie wandte sich an eine Modelagentur, die sie sofort unter Vertrag nahm. 

Seitdem weiß sie, wie schwer es ist, die zehn Meter auf dem Laufsteg richtig zu laufen. Rauf und runter, das war Sabines Biografie seit ihrem sechzehnten Lebensjahr. 

Eines Tages saß sie mit einer Kollegin in der Garderobe und schminkte sich. Sabine schaute die andere an und sagte: „Ich finde, du hast zu viel Rouge aufgetragen“. 

Zickig antwortete diese: „Das ist kein Rouge, das ist natürliche Gesundheit“.

„Ach?“ antwortete Sabine.  „Dann bist Du also auf einer Seite Deines Gesichts gesünder als auf der anderen?“

Karfreitags-Kuno

Geboren wurde er in einer kleinen Gemeinde in Oberbayern. Dort, wo die Zwiebeltürme der Kirchen in die Höhe ragen, wo der katholische Glaube tief verwurzelt ist, dort wird genau hingeschaut, wer am Sonntag zum Gottesdienst geht und wer nicht. Wer am Sonntag nicht in der Kirchenbank gesehen wird, ist für die kommende Woche verdammt und wird mit Schimpf und Schande überzogen. 

Die Berge, die das kleine Dorf umgeben, sind hoch und haben, besonders bei Gewitter, etwas Bedrohliches an sich. Geduckt unter den Felsen der großen Gipfel arbeiten die Menschen an ihrem Seelenheil. 

Hier kam Kuno an einem Karfreitag zur Welt. Mutter und Großmutter haben sich vom ersten Tag an um den kleinen Jungen gesorgt. Wer an einem solchen Tag geboren wird, muss mit dem Teufel im Bunde sein. An Ostern, dem Tag der Auferstehung, ist ein Kind von Gott gesegnet, aber an Karfreitag, dem Todestag des Erlösers, nicht.

So wuchs und gedieh Kuno in der Obhut seiner Familie. Sobald er aus der Reihe tanzen wollte, wurde er sofort wieder auf den rechten Weg gebracht. Im Kindergarten achteten die Erzieherinnen sehr darauf, ihn christlich zu erziehen. Es gelang. Aus dem kleinen Kuno wurde ein anständiges Kind, das mitmachte und christliche Werte lebte. 

Bis zu jenem Freitag, als der kleine Kuno morgens aufwachte. Die Sonne war aufgegangen und sein Wecker hatte nicht geklingelt oder er hatte ihn nicht gehört. Er stand auf und ging in die Küche. Weil seine Eltern früh mit der Arbeit anfingen, machte ihm normalerweise seine Großmutter das Frühstück. Aber an diesem Tag schlief Oma noch. 

Kuno wollte beweisen, dass er schon groß ist und sich sein Frühstück selbst machen kann. Also schenkte er sich Milch ein, rührte Kakao hinein, nahm ein Brot aus dem Brotkasten, strich Butter und eine dicke Schicht Honig darauf. So mochte er sein Frühstücksbrot und so aß er es jeden Tag. 

Nachdem er sich gestärkt hatte, nahm er zwei Scheiben Brot, bestrich eine mit Butter und legte drei Scheiben Schinken darauf. Das alles packte er in seine Brotdose, verschloss sie und steckte sie in seinen Schulranzen. 

Er zog seine Jacke und seine Schuhe an und machte sich auf den Weg zur Schule. Fröhlich lief er durch die Straßen und pfiff dabei sein Lieblingslied „Schön ist es auf der Welt zu sein“. 

Vor der Schule angekommen, stand er vor der verschlossenen Tür. Er blickte zur Kirchturmuhr hinauf, die von der Schule aus gut zu sehen war. Es war 7.30 Uhr und damit Schulbeginn. Doch die Schulglocke läutete nicht. Auch auf dem Schulhof war niemand außer ihm. 

Er setzte sich auf die Treppe, die neben der Grundschule zur Turnhalle führte, und wartete. 

Um 10 Uhr war noch niemand da. Aber es war Pause und sein Magen knurrte. Er nahm das Schinkenbrot aus seiner Schultasche und begann zu essen. 

Da kam der Herr Pfarrer vorbei. Er fragte, was der kleine Kuno hier mache. Kuno erklärte, er warte darauf, dass die Schule aufmache. 

„Aber heute ist doch Karfreitag“, rief der Pfarrer. Da entdeckte er das Schinkenbrot in der Hand des Jungen. Das Entsetzen über diesen Frevel verschlug ihm die Sprache. 

Er packte Kuno am linken Ohr und führte ihn durchs Dorf zu seinen Eltern. 

Die Eltern waren schon in großer Sorge, wo Kuno wohl geblieben sei. Diese Sorge verwandelte sich schnell in Zorn, als sie erfuhren, dass ihr Sohn am Karfreitag ein Schinkenbrot gegessen hatte. 

Die Mutter bedankte sich beim Pfarrer und versprach ihm eine harte Strafe. Während der ganzen Osterferien durfte Kuno sein Zimmer nicht verlassen. Nur in die Kirche wurde er jeden Tag pünktlich um 15 Uhr von der Großmutter gebracht. Dort musste er einen ganzen Rosenkranz beten. 

Nach den Ferien kam Kuno wieder in die Schule. Im Dorf hatte sich herumgesprochen, was er getan hatte, und alle Mitschüler mieden ihn. In der Klasse musste er ganz hinten sitzen, die Lehrerin rief ihn nicht mehr auf und sprach nur im Notfall mit ihm. In der Kirche musste er allein auf der äußersten Bank sitzen, und wenn der Pfarrer von schlimmen Vergehen sprach, schaute er Kuno böse an. Seinen Spitznamen Karfreitags-Kuno hatte er schnell weg.

Als er in die Hauptschule kam, wurde es nicht besser. Die anderen drehten ihm den Rücken zu, sprachen nicht mehr mit ihm. Die Mädchen wollten nichts mit ihm zu tun haben. Als alle eine Freundin hatten, saß er allein. Auch beim Tanz am Samstag hatte er einen Tisch für sich allein, und niemand wollte mit ihm reden, geschweige denn mit ihm tanzen. 

Der Karfreitags-Kuno war einsam geworden. Er ging nicht mehr aus dem Haus. Nach dem Tod der Großeltern und später der Eltern ließ ihn sein Bruder, der das Haus geerbt hatte, gnädigerweise unter dem Dach wohnen. Dort hatte er ein Zimmer und ein Bad. 

Er wurde nie nach unten zur Familie seines Bruders geholt. Seine Schwägerin und seine kleinen Neffen und Nichten sahen ihn nicht an. 

Der Karfreitag-Kuno wurde schwer krank und starb an einem Karfreitag. Seine Seele verließ den Körper und machte sich auf den Weg in den Himmel. Dort wartete er an der Pforte darauf, von Petrus verstoßen und in die Hölle geschickt zu werden. 

Petrus öffnete das Tor. „Der Karfreitags-Kuno“, begrüßte er den Neuankömmling. 

„Schön, dass du da bist. Komm herein.“

Zögernd trat Kuno ein. An der Rezeption hinter dem Tor meldete er sich an. Dann führte ihn ein Engel in einen großen Saal. Eine Kapelle spielte, die Menge tanzte. Der Engel zeigte ihm einen Tisch, an dem einige nette Damen saßen. „Setz dich und genieße den Aufenthalt. Möchtest Du ein Schinkenbrot?“

Bauernaufstand

Einige werden sich noch erinnern, an den 6. April 1980, als in Deutschland die Sommerzeit eingeführt wurde. Die Bauern mussten nun eine Stunde früher aufstehen. So kam es in ganz Deutschland zum Bauernaufstand. 

Wer wars?

Klar, Adam und Eva sind schuld. Schuld an allem. Hätten sie nicht in den Apfel gebissen, ginge es uns heute viel besser. Seither neigen Menschen dazu, die Schuld immer bei einem anderen zu suchen. 

Vor kurzem saß ich im Zug und höre zwangsweise das Gespräch zweier Hausfrauen: „Die kam da mit ihrer Straßenfluse vorbei gerauscht und ich musste bremsen, nur weil so eine junge Göre auf ihre Vorfahrt bestand.“ 
 „Ja, die Jugend ist undankbar. Neulich habe ich einen Quittenkuchen gebacken, für den Jugendtreff. Aber keiner hat ihn gegessen. Ich musste ihn dann wegwerfen, mein Mann und ich mögen keine Quitten.“ 

Der andere ist schuld. Immer. Vor allem im Straßenverkehr. Wann haben Sie zum letzten Mal die Hand gehoben, um zu signalisieren ‚meine Schuld‘? Ein ausgesteckter Mittelfinger an der Hand gilt in diesem Falle nicht. 

Ein vierwöchiger Tunesien-Urlaub mit all-inclusive für 300 Euro pro Woche darf keinen Mangel haben, sonst gibt es eine Klage gegen das Reiseunternehmen. „Jetzt bin ich drei Wochen hier und habe noch immer nichts gefunden, damit ich den Preis reduzieren kann. Aber ich habe noch eine Woche, da werde ich schon was finden“, sagte beim letzten Urlaub mein Tischnachbar. 

Der Mensch braucht immer einen anderen. Das ist in unserer Evolution so festgelegt. Nur in der Gemeinschaft sind wir stark. Frauen brauchen eine andere, die sie auf die Toilette begleitet. Männer wollen nicht allein ihr Bier an der Theke trinken. Fußballspieler brauchen ebenfalls noch 10 weitere Freunde, die dann so schlecht spielen, dass die Mannschaft verliert. 

Je größer die eigene Schuld, umso weiter ist der andere weg. Der Türke, der sich das Nachbarhaus scheinbar locker kauft, während meines auseinanderfällt. Daran ist die Bundesregierung mit ihrer Integrationspolitik schuld. Dass der gute Mann teils vier Schichten arbeitet, sich kaum Freizeit gönnt und ganz selten vor dem Fernseher sitzt, um Talkshows zum Thema „Was fliegt denn da? – Sind die Ufos da?“ anzuschauen, sieht niemand. 

Wir sollten uns wirklich öfters an der eigenen Nase packen und sagen: Ich habe mir selbst den Hammer auf den Daumen geschlagen. Vielleicht hätte ich vorher nicht drei Flaschen Bier trinken sollen. Stattdessen ist mein Helfer schuld, der gerade die Tischsäge angeschaltet hat. 

Jede Religion fußt darauf, dass wir schuld sind, nicht die anderen oder Gott, Allah, Buddha oder wer sonst immer. 

Viele arbeiten auch mit diesem Mittel. Schlechtes Gewissen führt meistens zu Reue und Wiedergutmachung. Mütter sind darin perfekt. „Ich bin nicht wütend, ich bin furchtbar enttäuscht!“ ist einer der Lieblingssätze. Dazu einen Augenschlag und ein wenig verwässerte Augen und Lausebengel geht für Mutter in die Waschküche, um die Wäsche aufzuhängen. 

Wäre es im Paradies besser? Das Nudistencamp des Anfangs. Wir würden im Winter stark frieren, weil wir kein Fell hätten, da wir kein Tier getötet haben. Müssten uns den Säbelzahntigern und Mammuts stellen, ohne Waffen, da wir sie nicht verletzen wollen. Im Sommer würden wir dann im Schatten unter den Bäumen liegen und warten bis ein Apfel oder Birne herunterfällt oder uns täglich einen Sonnenbrand holen bis wir an Hautkrebs krepieren. 

Wer eigne Schuld nicht trägt, kann leichter fremde tragen“, schrieb der Dichter Friedrich Rückert. Am leichtesten trägt sich die Schuld, wenn man nichts davon weiß. Sollen alle mir die Schuld geben, aber bitte sagt es mir nicht, es würde mich sehr deprimieren. 

Adrian

In der Nacht vor seinem 60. Geburtstag lag Adrian wach im Bett. Zum ersten Mal ließ er sein Leben Revue passieren. Momente, die er genossen hatte und die er gerne noch einmal erleben würde, aber auch Momente, in denen er seiner Meinung nach versagt oder einfach nur dumm reagiert hatte. 

Nicole tauchte vor seinem inneren Auge auf. Wie er sie geliebt hatte, wie er ihr immer hinterhergefahren war, mit seinem Moped, das als erstes einen elektrischen Anlasser hatte und nicht mehr angetreten werden musste. 

Beim Einkaufen hatte er sie heimlich beobachtet, manchmal stand er stundenlang abseits und versteckt vor ihrem Haus, in der Hoffnung, sie würde herauskommen und er könnte einen Blick auf sie erhaschen. 

Aber von Stalking war er weit entfernt. Das Wort gehörte damals nicht zu seinem Wortschatz, geschweige denn, dass sein Englisch heute noch ausreichen würde, um die Bedeutung zu verstehen.

Alle vier bis fünf Wochen traute er sich, an ihrer Tür zu klingeln. Sie ließ ihn herein, und er war froh, in der Wohnung zu sein. 

Mit ihrem Vater hatte er sich schnell angefreundet. Er hatte die gleiche Leidenschaft wie Adrian: Modelleisenbahnen. 

Wenn der neue Jahreskatalog erschien, war es für die Modelleisenbahner, als käme der neue Playboy heraus. Sie stürmten als erste in den Fachhandel, und noch bevor der Verkäufer die Kataloge aus dem Karton ins Regal geräumt hatte, waren die ersten schon verkauft. 

Nicoles Mutter war eine typische Hausfrau. Sie trug immer eine Schürze, und aus der rechten Tasche baumelte ein Staubtuch, mit dem sie jeden noch so kleinen Fussel sofort wegwischte. 

Dann saß er mit Nicole im elterlichen Wohnzimmer, ihr Zimmer sah er nie von innen, und unterhielt sich über alles Mögliche. 

Wegen Nicole ist Adrian sogar dem Hobbykegelclub „Schießweg“ beigetreten. Dort kam es zu einer Begegnung, die den Jungen aus seinem Traum riss. Ein Fremder betrat den Raum, alle schauten ihn verwundert an. Niemand kannte den Mann. Nur Nicole sprang auf, lief ihm entgegen, schlang die Arme um ihn, küsste ihn und stellte ihn als Sven, ihren Freund, vor. 

Adrian zog sich daraufhin zurück und verschanzte sich innerlich vor Mädchen und Liebe. 

Nach mehr als zehn Jahren traf er Nicole im Supermarkt wieder. Sie winkte ihm zu und kam zu ihm. Nicole fragte ihn, wie es ihm ginge, was er so mache. Adrian erzählte von seiner Existenz. Sie erzählte, dass sie Sven geheiratet habe und mit ihm inzwischen drei Kinder habe. Das Leben als Mutter sei so schön und Sven habe eine gute, unkündbare Stelle. 

In dieser Nacht des Rückblicks wurde Adrian bewusst, wie gut es war, nicht mit Nicole zusammen gewesen zu sein. Er wäre heute ein braver Biedermann, der er nie sein wollte. 

In dieser Nacht des Lebensüberblicks erschien Adrian auch sein Freund Marc. Ein reicher Selfmade-Unternehmer. Marc hatte immer das neueste Auto, mit dem er durch die Gegend fuhr. So war er auch einer der ersten, der ein Elektroauto fuhr. 

Gebaut wurde es in China, wo quasi über Nacht eine riesige Fabrik aus dem Boden gestampft wurde. 

„Das ist die Zukunft, weil es CO2-neutral ist“, schwärmt Marc. „Wir schützen unseren Planeten und hinterlassen unseren Enkeln eine wunderbare, lebenswerte Welt.“ Dabei hatte Marc noch nicht einmal eine Frau, geschweige denn Kinder oder Enkel. 

Die Fabrik in China nimmt eine große Fläche ein, auf der bisher Reis angebaut wurde. Die Arbeiter schuften unter harten Bedingungen, und die Rohstoffe für das Auto werden einfach aus riesigen Löchern aus der Erde geholt. 

Eines Tages fing das Auto beim Aufladen der Batterie Feuer. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte es nicht löschen. Erst als sie es in einen Container mit über 1000 Litern Wasser tauchten, ging der Brand langsam zurück. 

Nun hatte Marc einen Schrotthaufen in der Garage und wusste nicht, wie er ihn entsorgen sollte, denn die Firma verrät nicht, was in dem Fahrzeug verbaut war. Betriebsgeheimnis. 

Da war Adrian wieder froh, einen Benziner zu fahren. Da weiß jeder, was drin ist und der Schrotthändler zahlt noch ein paar Euro dafür. 

Manchmal ist es besser, nicht das zu bekommen, was man sich wünscht, um ein glückliches Leben zu führen.

Das Heiligtum

 

Unscheinbar lag er da, der Trödelladen. Nicht einmal richtige Schaufenster, wie von einem Geschäft gewohnt, hatte er. Aber meine mich liebende Ehefrau entdeckte ihn trotzdem und war sofort im Innern. 

Zugegeben der Anblick war sehr nostalgisch. Die alten Telefone, die alten Radios, die alten Nähmaschinen. Es hatte was von einer Zeitreise. 
 Gleichzeitig war der Raum überfüllt mit Dingen, die niemand mehr bräuchte, zumindest nicht ich, und von denen wir beide nicht wussten, was es damit auf sich hatte. Ein Soldat aus Holz, eine Babybadewanne mit eingelegtem Spiegel, vor allem aber die Bilder, die für einen Kunstnihilst wie mich eher Krempel waren. 
 Dafür fand ich bald den Schrank mit Schallplatten, der mich magisch anzog und rief: „Komm zu mir.“ Meine mich liebende Ehefrau durchsuchte den Laden, ich den Plattenschrank. Dabei fand ich wunderbare Raritäten, die mir der ältere Herr mit seinem grauen kaiserlichen Backenbart für wenig Geld überließ. 
 In dieser Mischung aus Museum, Messi-Raum und Flohmarkt begann ich meine Frau zu suchen. Fand sie schließlich vor einem Kleidungsstück, das sehr abgewetzt schien. Es war vorne zum Knöpfen und hatte keine Ärmel. Als sie es vor sich hielt, endete es wie ein Rock knapp über den Knien. Seine Farbe war ein verblichenes Rot mit vermutlich einmal blauen Dreiecken als Muster. Rechts und links der Knopfleiste war in Hüfthöhe jeweils eine große Tasche angenäht, in der mehr als ein Handy und Papiertaschentücher Platz hatten. 
 „Ist es nicht bezaubernd?“, jauchzte meine mich liebende Ehefrau. Noch bevor ich antworten konnte, hörte ich von hinten ein „Aber sicher, gnädige Frau!“. Der Besitzer ließ es sich nicht nehmen, persönlich dieses Kleidungsstück an meiner Frau vorzuführen. Vorsichtig knöpfte er es auf und hielt es ihr zum Probieren hin. 
 „Das ist ein ganz besonderes Kleidungsstück, das schon viel erlebt hat. Eigentlich habe ich es hier liegen, weil es ins ägyptische Museum zur Ausstellung soll.“ Wir staunten nicht schlecht darüber, was dieser Fetzen im Museum zu suchen hatte. 
 „Wissen Sie“, erklärte der Besitzer, „dies war das Kleid, welches Nofretete trug, als ihre Büste gemacht wurde. Nach ihrem Tode nahm ihre Zofe Jochebed das Kleid an sich und setzte darin Moses am Ufer des Nils aus, wo er von der Schwester Tut-Ench-Amuns gefunden wurden. Als Moses den Auszug aus Ägypten begann, trug er dieses Kleid unter seinem Kittel. Sehen Sie dort unten die leichten Verbrennungen?“ Er zeigte auf ein paar kleine Brandlöcher. „Die sind noch vom brennenden Dornbusch geblieben. Als Moses dann die äthiopische Prinzessin geheiratet hat, war dies das Brautkleid. Als die Bundeslade nach Äthiopien geschafft wurde, nahm man das Brautkleid und deckte damit das Heiligtum zu, damit niemand es sehen konnte. Als Gerhard Rohlfs auf einer seiner Afrikaexpeditionen dieses heilige Kleid an sich nehmen konnte, brachte er es König Wilhelm nach Berlin mit. Dieser überreichte es seiner Frau Kaiserin Augusta. Sie trug es in ihrer Koblenzer Zeit als Ballkleid und schenkte es anschließend dem Historiker Maximilian Duncker. Dieser wiederum brachte es an die Universität in Tübingen, wo es im Fundus landete. Als Josef Ratzinger zum Papst gewählt wurde, überreichte die Universität dieses Kleid ihrem ehemaligen Alumni zum Geschenk. Als Benedikt XVI abdankte und ins Kloster Mater Ecclesiae zog, schenkte er dieses Kleinod seinem Privatsekretär Georg Gänswein. Der wiederum ist ein Freund des Schwiegersohnes einer meiner Freunde und so landete dieses Heiligtum bei mir. Nun wollte ich es dem ägyptischen Museum in Kairo zurückgeben.“ 
 Nach dieser Vorstellung befahl ich meiner mich liebenden Ehefrau sofort, dieses wertvolle Stück auszuziehen und wieder hinzulegen. Doch sie weigerte sich nun erst recht, ohne diesen Stoff den Laden zu verlassen. Mir blieb nichts anderes übrig als für 900 Euro ein Schnäppchen zu machen. 
 Beim Verlassen des Ladens glaubte ich zu hören, wie der Trödler sagte: „Zenta, kauf dir einen neuen Küchenschurz, den Alten habe ich verkauft.“ 

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https://www.vhssha.de/programm/kw/bereich/kursdetails/kurs/5121001/kursname/Tomatidin/kategorie-id/215/#inhalt

www.youtube.com/@michaelj.scheidle7236

Der zweite Teil des Theaters "Tomatidin" in Kirchheim am Ries jetzt unter: 

https://www.youtube.com/watch?v=Iai7GIzqjjE 

Tomatidin 

Freilichttheater Teil 1

Der erste Teil des Theaterstückes "Tomatidin" in Kirchheim am Ries.
https://youtu.be/uSEZWcz4sU4

Gesundheitstipp

In der kalten Jahreszeit ist die Gefahr für die Blase besonders groß. Sie ist schnell erkältet. Dagegen helfen viele Hausmittel. 

Ein Blasentee kann den Heilungsprozess unterstützen oder vorbeugend getrunken werden. Dabei handelt es sich nicht um eine spezielle Teesorte, sondern um eine bestimmte Mischung verschiedener Kräuterzutaten, die sich positiv auf die Harnwege auswirken.

Es gibt viele Kräutermischungen zur Vorbeugung oder Unterstützung. In Blasentees finden sich häufig Birken-, Bärentrauben-, Orthosiphon- oder Brennnesselblätter sowie Ackerschachtelhalm, Goldrutenkraut, Zinnkraut, Hauhechel oder Ringelblume. 

Kräuter wie Zinnkraut, Birkenblätter, Hauhechel und Riesengoldrute regen die Ausscheidung an. 

Pfefferminze hingegen regt den Stoffwechsel an und Ringelblume, Orthosiphonblätter und Bärentraubenblätter wirken antibakteriell bzw. desinfizierend und entzündungshemmend. 

Natürlich gibt es für Blasentees noch weitere Kräuter wie Fenchel oder Süßholzwurzel, die ebenfalls den Heilungsprozess fördern oder vorbeugend wirken. Diese Kräuter werten vor allem auch den Geschmack des Blasentees auf.

Um den idealen Blasentee zu erhalten, ist aber auch die Zugabe von etwas Seife empfehlenswert.

Lesung

Lesung aus Tomatidin in Forchtenberg
Jetzt unter: https://youtu.be/GcFXUxKzRGY

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Treffen

Am 16. und 17. Oktober bich ich auf der Frankfurter Buchmesse. Von 14 - 16 Uhr am Stand des Syndikats Halle 3.0 am Stand 3.0 C88.
Gerne auf einen Plausch vorbeikommen.  

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Der Tipp für die Küche

Immer das Gleiche bei Großfamilien: Es gibt Streit, wer zuerst von der Suppe bekommt. 
In solchen Fällen hilft ein Suppenwürfel. 
Jeder darf einmal würfeln und wer die höchste Zahl hat, darf als erster aus der Suppe löffeln.

Wer wars?

 

Klar, Adam und Eva sind schuld. Schuld an allem. Hätten sie nicht in den Apfel gebissen, ginge es uns heute viel besser. Seither neigen Menschen dazu, die Schuld immer bei einem anderen zu suchen.
 Vor kurzem saß ich im Zug und höre zwangsweise das Gespräch zweier Hausfrauen: „Die kam da mit ihrer Straßenfluse vorbei gerauscht und ich musste bremsen, nur weil so eine junge Göre auf ihre Vorfahrt bestand.“
 „Ja, die Jugend ist undankbar. Neulich habe ich einen Quittenkuchen gebacken, für den Jugendtreff. Aber keiner hat ihn gegessen. Ich musste ihn dann wegwerfen, mein Mann und ich mögen keine Quitten.“
 Der andere ist schuld. Immer. Vor allem im Straßenverkehr. Wann haben Sie zum letzten Mal die Hand gehoben, um zu signalisieren ‚meine Schuld‘? Ein ausgesteckter Mittelfinger an der Hand gilt in diesem Falle nicht.
 Ein vierwöchiger Tunesien-Urlaub mit all-inclusive für 300 Euro pro Woche darf keinen Mangel haben, sonst gibt es eine Klage gegen das Reiseunternehmen. „Jetzt bin ich drei Wochen hier und habe noch immer nichts gefunden, damit ich den Preis reduzieren kann. Aber ich habe noch eine Woche, da werde ich schon was finden“, sagte beim letzten Urlaub mein Tischnachbar.
 Der Mensch braucht immer einen anderen. Das ist in unserer Evolution so festgelegt. Nur in der Gemeinschaft sind wir stark. Frauen brauchen eine andere, die sie auf die Toilette begleitet. Männer wollen nicht allein ihr Bier an der Theke trinken. Fußballspieler brauchen ebenfalls noch 10 weitere Freunde, die dann so schlecht spielen, dass die Mannschaft verliert.
 Je größer die eigene Schuld, umso weiter ist der andere weg. Der Türke, der sich das Nachbarhaus scheinbar locker kauft, während meines auseinanderfällt. Daran ist die Bundesregierung mit ihrer Integrationspolitik schuld. Dass der gute Mann teils vier Schichten arbeitet, sich kaum Freizeit gönnt und ganz selten vor dem Fernseher sitzt, um Talkshows zum Thema „Was fliegt denn da? – Sind die Ufos da?“ anzuschauen, sieht niemand.
 Wir sollten uns wirklich öfters an der eigenen Nase packen und sagen: Ich habe mir selbst den Hammer auf den Daumen geschlagen. Vielleicht hätte ich vorher nicht drei Flaschen Bier trinken sollen. Stattdessen ist mein Helfer schuld, der gerade die Tischsäge angeschaltet hat.
 Jede Religion fußt darauf, dass wir schuld sind, nicht die anderen oder Gott, Allah, Buddha oder wer sonst immer.
 Viele arbeiten auch mit diesem Mittel. Schlechtes Gewissen führt meistens zu Reue und Wiedergutmachung. Mütter sind darin perfekt. „Ich bin nicht wütend, ich bin furchtbar enttäuscht!“ ist einer der Lieblingssätze. Dazu einen Augenschlag und ein wenig verwässerte Augen und Lausebengel geht für Mutter in die Waschküche, um die Wäsche aufzuhängen.
 Wäre es im Paradies besser? Das Nudistencamp des Anfangs. Wir würden im Winter stark frieren, weil wir kein Fell hätten, da wir kein Tier getötet haben. Müssten uns den Säbelzahntigern und Mammuts stellen, ohne Waffen, da wir sie nicht verletzen wollen. Im Sommer würden wir dann im Schatten unter den Bäumen liegen und warten bis ein Apfel oder Birne herunterfällt oder uns täglich einen Sonnenbrand holen bis wir an Hautkrebs krepieren.
 „Wer eigne Schuld nicht trägt, kann leichter fremde tragen“, schrieb der Dichter Friedrich Rückert. Am leichtesten trägt sich die Schuld, wenn man nichts davon weiß. Sollen alle mir die Schuld geben, aber bitte sagt es mir nicht, es würde mich sehr deprimieren. 

Ein wunderbarer Abend im Wasserschloss Trochtelfingen

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Der Tipp der Woche

Wenn man Schweißfußgeruch überdecken will, kann man sich zusätzlich auch nicht mehr die Zähne putzen. 
Denn jetzt haut auch der Mundgeruch jeden Mitmenschen bereits um, bevor sich dieser noch über die Stinkfüße aufregen kann.

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Der Fremde 

Der Mann wirkte bedrückt. Dass ihn das Leben gebeutelt hatte, wenn es ihn nicht gerade noch plagte, sah man ihm schon von weitem an. Er nahm einen Platz in der mittleren Reihe ein und ließ den Kopf hängen. Mehrere Minuten lang starrte er auf den Boden, und man war sich nicht sicher, ob er vielleicht schlief. Lange Zeit sah man von ihm nur sein graues, kurzes Haupthaar, kein Gesicht. 
 Die anderen Kirchenbesucher rätselten, wer er wohl sein könnte. Niemand kannte ihn, selbst die größten Klatschbasen der Gemeinde hatten ihn noch nie gesehen. Man hatte ihn weder beim Einkaufen noch auf dem Friedhof beim Besuch eines Grabes gesehen. Seine Kleidung war ordentlich, nicht zerlumpt wie die eines Penners, der sich zum Aufwärmen in die Kirche verirrt hatte. Das hellblaue Hemd war gewaschen und gebügelt, die Cordhose ordentlich gebügelt und die Schuhe geputzt. Ein paar Leute tuschelten darüber, ob es sich um einen Touristen oder um einen anderen Besucher handelte. Er war jedenfalls kein Einheimischer.
 Als der Pfarrer den Altarraum betrat, blickte der Fremde auf. Die Gesichter der anderen Gläubigen in der Kirche drehten sich neugierig zu ihm um. Er blieb unbekannt. Der Pfarrer begann den Gottesdienst. Der Auswärtige bekreuzigte sich, betete mit gebeugtem Kopf und benahm sich, als sei er ein sehr gläubiger Christ. 
 Andächtig hörte er der Predigt zu. Der Pfarrer auf der Kanzel sprach von Hilflosigkeit und Verzweiflung und der Frage: „Womit habe ich das verdient?“ Er erzählte von einer Frau, die alt und einsam war, die ihre Tochter als junge Erwachsene verloren hatte und trotzdem vielen geholfen hatte. Der Zweifel an Gott, der in solchen Menschen wächst. Inwieweit ist jeder selbst schuld an seiner Krankheit, an seiner Einsamkeit? 
 Die meisten der Anwesenden, denen es gut ging, hörten gar nicht zu. Ihre Gedanken kreisten schon um das Mittagessen, die Pläne für den Sonntagnachmittag oder die kommende Woche. Der Mann aber hörte zu, nahm jedes Wort in sich auf, dachte darüber nach. 
 Durch die bunten Fenster der Kirche konnte man die aufziehenden dunklen Wolken sehen. Als der Pfarrer mit seiner Predigt zu Ende war und die Liturgie weiterging, wurde es im Kirchenschiff dunkler. Viele Gläubige richteten besorgte Blicke nach draußen. Die Angst, die Kirche im Gewitterregen verlassen zu müssen, wuchs. Plötzlich ein Blitz. Dann ein Donnern, als würden Bomben fallen. Die Gemeinde zuckte zusammen, nur der Fremde blieb ruhig sitzen, als ginge ihn das alles nichts an und er wolle jetzt den Gottesdienst genießen. 
 Der Blitz schoss durch die Kirche und schlug in die Orgelpfeifen. Der Organist floh von der Empore. Der Pfarrer blickte entsetzt zur Orgel hinauf und die Gemeinde rannte aus der Kirche, so schnell sie konnte. Der Mann saß noch immer seelenruhig in der Kirchenbank. Der Geruch nach Schwefel breitete sich aus. Von der Empore sprang eine Gestalt auf den Kirchenboden.
 Jetzt flohen auch die Ministranten und der Pfarrer und schlossen sich in der Sakristei ein. Der Unbekannte erhob sich. Der Alte stand in der Bank wie ein Turm. Langsam näherte sich ihm die Gestalt aus Feuer und Rauch. Der Mann putzte sich die Nase, um den Gestank loszuwerden. 
 „Weißt du, wer ich bin?“, hallte die keuchende Stimme durch die hohe Kirche. Der Mann sah den Dämon ruhig an. 
 „Natürlich weiß ich, wer du bist. Der Teufel persönlich“, sagte er. 
 „Und du hast keine Angst vor mir?“, fragte der Teufel und ging langsam auf den einzigen Menschen zu, der in der Kirche übrig geblieben war. 
 „Warum sollte ich?“, antwortete der Mann. „Ich bin seit über 35 Jahren mit deiner Schwester verheiratet!“

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Tomatidin

Eigentlich sollte Otto Meisner nur herausfinden, ob Silke Sternheimer von ihrem Mann betrogen wird. Doch als dieser tot zusammenbricht, findet sich der ehemalige Rechtsanwalt Meisner mitten in einem Mordfall wieder. Während Kommissarin Rita Schmölz zu verstehen versucht, was passiert ist, ermittelt Meisner auf eigene Faust. Schon bald wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und verstrickt sich immer tiefer in einem Wirrwarr aus Geheimnissen, Gefühlen und Gefahr.
 So entsteht eine spannende Geschichte, mit einer Brise Humor, um einen Mord, der eigentlich unentdeckt geblieben wäre.

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Kurzkrimi

 

Es war einer dieser Tage, an denen der Auszubildende Andi Gudlevskis hoffte, dass sie schnell vorüber gehen und er sich wieder zu Hause ein oder fünf Bierchen einschenken und trinken konnte. 
 In Tagträumend schwelgend, während um ihn herum alle hektisch die letzten Vorbereitungen für die anstehende internationale Messe in Düsseldorf vorbereiteten, holte ihn die Stimme seines Büroleiters in die Realität zurück. 
 „Sie können sich von ihren Kollegen eine Scheibe abschneiden,“ schrie er den Lehrling an. „Die arbeiten hier und sie sitzen nutzlos herum“. 
 Da Gudlevskis es gewohnt war seinem Chef zu folgen, schnappte er sich ein Messer und schritt zur Tat. Seinem Arbeitskollegen Jürgen Franzreb schnitt er einfach ein Glied vom rechten Zeigefinger ab. 
 „Scheibenkleister!“ rief der Chef aufgeregt, nachdem er das ganze Blut auf dem Teppichboden entdeckte und Angst hatte, jemand würde darauf ausrutschen und dann wochenlang krank machen. 
 Leider war kein Kleister im Büro auffindbar und so versuchten die anderen Kollegen mit Tesafilm und Klebestift das Glied wieder am Finger zu befestigen, damit die Arbeit weitergehen konnte. 
 Diese Versuche schlugen fehl und Franzreb musste ins Krankenhaus gebracht werden, wo unter professioneller Aufsicht das verlorene Glied angetackert wurde. 
 Andi Gudlevskis schulte daraufhin zum Tapetenschneider um. 

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Was so geschrieben  wird